Amtsblatt für Mecklenburg-Vorpommern 2000 Nr. 28

Empfehlungen
zur landeseinheitlichen Ausbildung ehrenamtlich Tätiger in der Jugendarbeit,
Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes
und
zur Iandeseinheitlichen Bescheinigung über die Teilnahme an Lehrgängen,
die dadurch erworbenen fachlichen Befähigungen und die Ausstellung der Jugendleiter/-innen-Card

Bekanntmachung des Sozialministeriums
Vom 22. Mai 2000- IX 210b -

Diese Bekanntmachung berücksichtigt die seit dem 1. Juli 1998 gültigen Empfehlungen und die seit dem 1. Februar 2000 geltenden Änderungen in Nummer 5 der Empfehlung.

 

1. Rechtsgrundlage

Auf der Grundlage des § 73 des Achten Buches des Sozialgesetzbuches (SGB VIII) und der §§ 2 bis 5 sowie des § 7 des Kinder- und Jugendförderungsgesetzes Mecklenburg-Vor pommern (KJfG M-V) sowie auf der Grundlage der Vereinbarung der obersten Landesjugendbehörden zur Einführung einer Jugendleiter/-innen-Card" werden nachfolgende Regelungen den Trägern der Jugendhilfe in Mecklenburg-Vorpommern zur Übernahme in ihren Wirkungskreis empfohlen.

 

2. Ziele und Grundsätze der Ausbildung zum/zur Jugendleiter/-in

(1) Die Grundausbildung zum/zur Jugendieiter/-in kann durch Träger der freien und öffentlichen Jugendhilfe erfolgen. Diese Empfehlung regelt die Mindestanforderung an die Grundausbildung zum/zur Jugendleiter/-in. Weitergehende Fortbildungsmaßnahmen mit dem Ziel einer fachlichen oder verbandsspezifischen Vertiefung werden durch diese Empfehlungen nicht berührt.

(2) Ziel der Grundausbildung ist es, ehrenamtlich Tätige zu befähigen, Jugendliche und Kinder über einen längeren Zeitraum selbständig zu leiten und zu begleiten. Hierzu müssen ehrenamtlich Tätige beispielsweise in der Lage sein:
- Gesetzmäßigkeiten und gruppendynamische Prozesse zu erkennen,
- Lernvorgänge in Gruppen anzuregen,
- rechtliche Rahmenbedingungen der Jugendhilfe zu kennen und nach ihnen zu handeln,
  die eigene Leitungsrolle einzuschätzen und
- sich mit verbandsspezifischen oder jugendpolitischen Themen und Inhalten auseinander
  zu setzen.

(3) Eigene Erfahrungen der ehrenamtlichen Tätigen aus der Arbeit mit Gruppen müssen bei der Grundausbildung berücksichtigt werden. Neben der Vermittlung von Inhalten ist das bewusste Erleben von gruppendynamischen Prozessen notwendig. Die ehrenamtlich Tätigen sollen sich konkret mit ihrer Rolle als Gruppenmitglied und Jugendleiter/-in vertraut machen und Gelegenheit haben, sich selbst zu erfahren.

 

3. Inhalte der Grundausbildung zum/zur Jugendleiter/-in

(1) Nachfolgende pädagogische und psychische Grundlagen für die Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz sollen in der Grundausbildung vermittelt werden:
- Kenntnisse über die Leitung von Jugendgruppen (z.B. über Kontaktaufnahme zu
  Gruppen, Gruppenphasen. Leiterverhalten, Teamarbeit und Motivierung von Gruppen),
- Kenntnisse über die psychische und physische Entwicklung von Kindern und
  Jugendlichen, die Bedeutung der Familie sowie die sich daraus ergebenen pädago-
  gischen Konsequenzen, Kenntnisse über Methoden in den Bereichen der Gruppen-
  arbeit, Spielpädagogik, Freizeit- und Serninararbeit und Beratung,
- Kenntnisse in Kommunikation und Gesprächsführung.

(2) Nachfolgende Grundlagen zur Organisation, Verwaltung und Förderung von Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes sollen in der Grundausbildung vermittelt werden:
- Kenntnisse über die Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten,
- Kenntnisse über den Aufbau der Jugendhilfe in Mecklenburg-Vorpommem,
- Grundsätze und Arten von Versicherungen,
- Kenntnisse über verschiedene Konzeptionen, Ziele und Werte unter Verwendung
  aktueller Jugendforschungsergebnisse sowie
- das Erkennen von Bedarfen und der Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit in der
  Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes.

(3) Nachfolgende Kenntnisse über Rechtsgrundlagen sollen in der Gnindausbildung vermittelt werden:
- Aufsichts- und Haftungsrecht,
- Jugendschutzbestimmungen,
- Veranstaltungsrecht,
- weitere rechtliche Bestimmungen, die in der Praxis der Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit
   und des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes des jeweiligen Jugendhilfeträgers
   von Bedeutung sein können (z.B. Naturschutz oder Medienrecht).

(4) Jugendleiter/-innen sollen in der Grundausbildung auch befähigt werden, Gruppen in besonderen Problemlagen zu leiten bzw. zu begleiten. Hierzu zählen beispielsweise Kenntnisse über:
- Gruppenkonflikte und den Umgang mit Aggressions- und Gewaltphänomencn,
- deeskalierendes Leiterverhalten,
- akute Gefährdungen junger Menschen durch Stoffe, Handlungen oder Organisationen.

(5) Die Grundausbildung muss zusätzlich den unter Absatz 1 bis 4 empfohlenen Inhalten einen einschlägigen „Erste-HilfeKurs“ enthalten. Hier sollten geeignete und zugelassene Bildungsträger herangezogen werden. Der Umfang sollte 2 x 8 Stunden nicht unterschreiten.

 

4. Dauer der Grundausbildung

Die Grundausbildung zum/zur Jugendleiter/-in soll ohne den in Nummer 3 Abs. 5 ausgewiesenen „Erste-Hilfe-Kurs“ 35 Zeitstunden nicht unterschreiten.

 

5. Bescheinigung über die Teilnahme und die erworbenen fachlichen Befähigungen

(1) Eine Bescheinigung über die erfolgreiche Teilnahme und die erworbenen fachlichen Befähigungen erfolgt durch den jeweiligen Träger der Grundausbildung den ehrenamtlich Tätigen gegenüber.

(2) Ehrenamtlich Tätige können einen Antrag auf die Ausstellung einer Jugendleiter/-innen-Card beim Landesjugendring Mecklenburg-Vorponimem e.V., Goethestr. 73, 19053 Schwerin stellen, wenn ihr Wohnsitz in MecklenburgVorpommem liegt. Sie weisen anhand der Trägerbescheinigung die erfolgreiche Teilnahme an einem Grundkurs zum/zur Jugendleiter/-in sowie die Teilnahme an einem Erste-Hilfe-Kurs" auf der Grundlage dieser Empfehlungen bzw. der Festlegungen der Hilfsorganisationen nach.

(3) Die ehrenamtlich Tätigen sollen zum Zeitpunkt der Ausstellung einer Jugendleiter/-innen-Card mindestens 16 Jahre alt sein. In begründeten Ausnahmefällen kann eine Card auch an 15-jährige ehrenamtlich Tätige ausgestellt werden.

(4) Die Jugendleiter/-innen-Card ist bis zu drei Jahre gültig und kann nach Ablauf dieser Frist verlängert werden. Voraussetzung dafür ist die Bestätigung über die weitere Tätigkeit im Aufgabenbereich der §§ 2 bis 5 des KJfG M-V durch den jeweiligen Träger der Jugendhilfe, bei dem der ehrenamtlich Tätige wirkt und der Nachweis der Teilnahme an mindestens einer Fort- oder Weiterbildungsmaßnahme. Liegen die Voraussetzungen für die Ausstellung der Jugendleiter/-innenCard gemäß der Nummer 5 Abs. 2 Satz 2 und Absatz 4 Satz 2 dieser Empfehlungen nicht mehr vor, ist die Card an den Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern e.V. zurückzugeben.

(5) Die Träger der freien Jugendhilfe, die eine Grundausbildung zum/zur Jugendleiter/-in durchführen, sollen anerkannte Träger der freien Jugendhilfe nach § 75 SGB VIII sein und über einschlägige Erfahrungen im Bereich der §§ 2 bis 5 KJfG verfügen. Im Falle, dass ein Träger nicht über eine Anerkennung nach § 75 SGB VIII verfügt, muss das Ausbildungscurriculum zuvor mit dem jeweilig zuständigen Träger der öffentlichen Jugendhilfe abgestimmt werden.

 

6. Unterrichtung der öffentlichen Träger der Jugendhilfe
und der ehrenamtlich Tätigen
im Aufgabenbereich der §§ 2 bis 4 K.JfG M-V
durch den Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern e.V.

(1) Der Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern e.V. hat den örtlichen Trägern der öffentlichen Jugendhilfe jeweils zum Ende eines jeden Quartals, spätestens aber vier Wochen danach, die Anzahl der ausgegebenen Jugendleiter/-innenCards schriftlich anzuzeigen.

(2) Die ehrenamtlich Tätigen sind durch den Landesjugendring Mecklenburg-Vorpommern e.V. in geeigneter Weise auf die Nummer 5 Abs. 4 Satz 2 und 3 dieser Empfehlungen hinzuweisen.

 

7. Sonstiges

Die Jugendleiter/-innen-Card kann auch für neben- und hauptberuflich Tätige ausgestellt werden, sofern sie eine entsprechende Ausbildung oder Befähigung im Sinne des § 9 Abs. 1 KJfG besitzen und als Jugendleiter/-innen tätig werden.

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